Ein Flüchtlingskostüm Auf Amazon

Das auf der E-Commerce Seite Amazon angebotene “Flüchtlingskostüm” sorgte am Wochenende für einen viralen Shitstorm. Doch hinter dem vermeintlichen No-Go steckt eine harmlose Erklärung: verständlich oder, in Zeiten wie diesen, trotzdem geschmacklos?

Screenshot via stern.de

Screenshot via stern.de

Ein Skandal: für 24 bis 36 Euro verkaufte der nach eigenen Angaben “größte britische Online-Shop für Kostüme”, Fancy Me, Kinder-Flüchtlingskostüme via Amazon. Und obwohl es sich hier nicht um syrische Flüchtlingskostüme und damit um die aktuelle Krise handelt, sondern um die englischen Kinder, die im ersten und zweiten Weltkrieg aus den Städten ans Land geschickt wurden, war die Aufregung groß. Auf Facebook, Twitter und Co. verbreitete sich am Wochenende ein Screenshot mit Link zum Artikel und binnen weniger Stunden wurden Dutzende negative Kommentare hinterlassen – mit dem Resultat, dass Amazon den Artikel löschte.

Aufregung, die gerechtfertigt schien

Die Bilder zum Artikel zeigten ein Mädchen und einen Buben, beide in ärmlicher Kleidung und mit Koffern in der Hand; verkauft wurde das Kostüm unter dem Namen “Flüchtling – 1./2. Weltkrieg für Mädchen und Jungen” – ein Angebot, das im Angesicht der aktuellen Lage mehr als nur geschmacklos erscheint. Auch der italienische Caritas-Sprecher für Migrationsthemen, Oliviero Forti, übte Kritik. „Das Amazon-Angebot ist in einer derart heiklen historischen Phase skandalös. Das Unternehmen sollte in Schwimmwesten für Flüchtlingskinder investieren, die im Mittelmeer in Seenot sind“.

Doch es gibt eine halbwegs plausible Erklärung

Doch wie der Spiegel Online berichtet, hat “Fancy Me” eine Erklärung: in Großbritannien wird das Thema der beiden Weltkriege des Öfteren mit dem Nachspielen von historischen Ereignissen behandelt – so auch die Zeit, in der britische Stadtkinder im 2. WK zum Schutz aufs Land geschickt wurden, erklärt ein Amazon-Kunde: “Der Ursprung dieser Kostüme ist England, wo es auch die meisten Abnehmer dafür gibt. In England gibt es sehr viele Tage in Grundschulen, die sich um historische Ereignisse drehen, zu denen sich dann die Kids passend kleiden sollen, um Geschichte besser erfahren zu können, dazu gehört auch tatsächlich ein “2. Weltkrieg Tag”. Eltern sind diesbezüglich dankbar, dass sie dann solche Kostüme für die Kids einfach bestellen können.” Die Originalbeschreibung des Produkts, wo von “Evakuierten”, nicht von “Flüchtlingen” die Rede ist, bestätigt das und wir sollten uns fragen, ob eine derartig intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht eigentlich etwas Gutes ist? Was meint ihr?