Facebook: Immer Weniger Persönlicher Content

Photo via theinformation.com

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Wie theinformation.com kürzlich in einem Artikel erklärte, kämpft Facebook damit, seinen Rückgang an “persönlichem Content” zu stoppen.

Vor weniger als einem Jahr begannen führende Facebook-Mitarbeiter das Problem zu adressieren: die Member des Social Media Netzwerks hatten begonnen, weniger über ihr persönliches Leben zu posten. Um das zu stoppen, stellte Facebook in London ein eigens darauf spezialisertes Team zusammen. 

Z.B.Facebook’s kürzliche Live Video Erweiterung (Mittwoch, 6. April) zeigt, wie sehr die Platform ihre Nutzer zum Teilen von persönlichem Content motivieren möchte. Zuvor hatte es den News Feed Algorithmus auf eine Weise verändert, die persönlichem Content größere Wichtigkeit und dadurch auch mehr Aufmerksamkeit zusprach und das Posten auf der Android App war erleichtert worden. All das hat den Rückgang verlangsamt – aber nicht um viel!

Eine Facebook-Sprecherin dementierte das bis zu einem gewissen Grade und sagte:”Die Leute teilen noch immer sehr viel. Der generelle Sharing-Level ist nicht nur stark, sondern dem in vorherigen Jahren ähnlich geblieben.” Diese Aussage mag ja richtig sein, ignoriert aber den (gerade für FB) sehr wichtigenen Prozentsatz an persönlichen Posts und wie stark dieser abnimmt:

Mitte 2015 hatte die totale Anzahl and geteiltem Content im Gegensatz zum Vorjahr um 5,5% abgenommen. Im Gegensatz dazu hatte die Anzahl an geteiltem, persönlichen Content um 21% seit dem Vorjahr abgenommen. Unter “persönlichem” Content versteht man alles rund um die Person selbst, im Gegensatz zu z.B. Links zu Zeitungsartikeln. Dabei ist dieser persönliche Content aber sehr wichtig für Facebook, weil sie die meiste Interaktion hervorrufen: du hast doch sicherlich auch schon bemerkt, wie viele Likes und Kommentare Verlobungsankündigungen oder Baby-Fotos immer bekommen, oder? Bermerkenswert ist auch, dass der Rückgang an persönlichem Content vor allem von Leuten unter 30 ausgeht – sie sind es, die kaum noch Persönliches teilen!

Die Langzeitfolgen

Dieses Problem ist für Facebook aber kein extistenzielles: das Produkt wächst in Sachen Zahlen weiterhin und es wurden auch andere Wege gefunden, die User and die Plattform zu binden, wie z.B. virale Videos im News Feed. Trotzdem könnte die Tatsache, dass diese nicht mehr die Notwendigkeit sehen, selber Content beizutragen, Facebook letztendlich zerfressen.

Die Gründe

Für den Rückgang werden verschiedene Gründe genannt, einer davon ist die wachsende “Freunde”-sanzahl, der User. In den letzten Jahren hat die Plattform sich bemüht, die zwischenmenschlichen Verbindungen zu erhöhen, z.B durch das “Personen die du vielleicht kennst”-Tool. Dadurch entwickelte FB sich aber auch von einem relativ intimem Hangout-Platz zu einer belebten Großstadt (siehe Bilder).

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Ein weiterer Grund für den Rückgang ist die Tatsache, dass sich die Aktivität auf andere Plattformen verlagert hat, wie z.B messenging Dienste oder Snapchat. Im Ersteren ist FB mit Whatsapp und dem FB – Messenger zwar ein sogenannter Big Player, kann jedeoch (noch) keinen monetären Gewinn daraus schlagen.

Auch das zu FB gehörende Instagram leidet unter dem Rückgang: die Foto-sharing App mit mehr als 200 Mio. täglich aktiven Nutzern wird mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt, weil das Posten eines Bildes wegen verschiedener Bearbeitungsmöglichkeiten relativ lange braucht.

Verschiedene Kampstrategien

Wie schon gesagt, wurde auf verschiedensten Wegen versucht, das Sharing-Problem zu lösen – manche von ihnen offensichtlicher, manche versteckter. Dazu gehören besagter News Feed Algorithmus, der persönlichen Content höher stuft und auch die Tatsache, dass FB und Instagram ihre User dazu auffordert, eben geschossene Bilder zu teilen. Des Weiteren wurden auf FB neue Tools hinzugefügt, mit denen User ihre Bilder bearbeiten können und das Teilen von Foto-Alben und Notizen erleichtert  wird. Mit “On This Day” erinnert es einen an Posts, die man in den vorigen Jahren an diesem Tag veröffentlicht hatte.

Viele Stimmen sagen FB eine dunkle Zukunft voraus. Die herrschende Meinung hat sich in die Richtung gedreht, dass die Plattform alles andere als sicher ist und ganz sicher kein Ort, an dem man mehr als Äußerlichkeiten teilt. Schwer zu sagen, ob Mark Zuckerberg& Co es noch einmal schaffen werden, auf den fahrenden Zug aufzuspringen.